Arbeitsverträge – richtig verhandeln! - RA Krane

In Zeiten guter wirtschaftlicher Entwicklung ist zwischenzeitlich der „Fachkräftemangel“ zu einem wirtschaftlichen Standard geworden. Besonders für hochqualifizierte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ergeben sich dadurch naturgemäß berufliche Perspektiven. Viele „Job-Portale“ bieten den Weg zum angemessenen Job und unterstützen die Auswahlentscheidung für einen neuen Arbeitgeber. Die Kriterien dafür, was ein guter Arbeitgeber bieten muss, sind vielfältiger gefächert, als noch vor einigen Jahren. Wo früher Arbeitsplatzsicherheit, Gehalt und Betriebsklima im Fokus der Betrachtung standen, treten heute Kommunikation, Gleichberechtigung, Umgang mit älteren Kollegen, Karriere und Weiterbildungsmöglichkeiten, Umwelt- und Sozialbewusstsein und Work-Life-Balance-Überlegungen hinzu, um nur einige Kriterien zu nennen, an denen ein Arbeitgeber gemessen wird.

Aber auch für diejenigen, die ihren Arbeitsplatz nicht wechseln wollen, bietet die derzeitige Arbeitsmarktsituation naturgemäß Perspektiven. Dann aber muss im bestehenden Arbeitsverhältnis über die Arbeitsbedingungen verhandelt werden. Freiwillige Leistungen durch den Arbeitgeber sind nach wie vor eher die Ausnahme. Die Anzahl der durch Tarifverträge geregelten Arbeitsverhältnisse ist eher rückläufig, so dass eine tariflich abgesicherte, automatische berufliche Entwicklung bei vielen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern eben gerade nicht stattfindet.

Diejenigen, die sich in einem frei ausgehandelten Arbeitsverhältnis befinden, sind also gut beraten von Zeit zu Zeit ihren beruflichen Status ebenso zu überprüfen, wie ihre Arbeitsbedingungen. Der Gesetzgeber hilft hier wenig. Arbeitsrechtliche Gesetzgebung ist in der Regel dazu gedacht und auch nur dafür geeignet, Mindeststandards abzusichern, um Auswüchse zu verhindern. Sei es bei Lohndumping, beispielsweise durch Mindestlohnregelungen oder auch bei der Festlegung von Höchstarbeitszeiten, um den Gesundheitsschutz der Arbeitnehmer rudimentär sicherzustellen.

Maßnahmen der beruflichen Entwicklung, Verbesserungen der beruflichen Position, gehaltliche Entwicklungen oder die Vereinbarung von Nebenleistungen befinden sich regelmäßig nicht in arbeitsrechtlichen Anspruchsgrundlagen. Solche Aspekte müssen vom Arbeitnehmer frei verhandelt werden. Davor besteht vielerorts erhebliche Angst, weil im Grunde gar keine Übung damit besteht, solche Verhandlungen erfolgreich zu führen und in der Tat: Es ist leichter ein solches Gespräch zu vermasseln, als man denkt. Falsche Argumente, schlechte Vorbereitung oder ziellose Anfragen führen ebenso wenig zum Erfolg, wie „hoch pokern“ oder den Verhandlungspartner erpressen. Auch, wer in Zeiten von wirtschaftlichen Schwierigkeiten des Unternehmens versucht, seine arbeitsvertragliche Situation zu verbessern, dürfte in der Regel wenig Erfolg haben. Auf den richtigen Zeitpunkt kommt es also an.

Gerade Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im mittleren und höheren Qualifikationsniveau sollten sich jedoch dennoch in regelmäßigen Abständen fragen, ob ihre arbeitsvertragliche Situation noch mit ihrem eigenen Anspruch und der tatsächlichen Betriebspraxis zusammenpassen. Im Bedarfsfall Verhandlungen gut vorzubereiten ist essentiell für den Erfolg, der sich langfristig auswirkt. Dabei kann es durchaus sinnvoll sein, sich zur Bestimmung der eigenen Ziele und zur Überprüfung der eigenen Vorgaben Rat einzuholen, um ein optimales Verhandlungsergebnis zu erzielen. In der Regel wird der Berater dabei im Hintergrund tätig sein, denn Vertragsverhandlungen werden traditionell in den meisten Fällen ohne Begleitung von Rechtsbeiständen geführt. Im Ausnahmefall und bei besonders hoch angesiedelten Führungskräften kann dies aber auch anders sein. Jedenfalls gilt für alle: Wer klare Ziele formuliert und diese gut begründen kann, kann auch mit Vertragsverhandlungen bei seinem Arbeitgeber Erfolge erzielen, die einen Wechsel des Unternehmens vielleicht überflüssig machen. Denn eines ist klar, der Arbeitgeber verfügt in der Regel über eine professionelle Personalabteilung oder viel Erfahrung im Verhandeln von Arbeitsverträgen. Wer sich dort nicht gut – ggf. mit professioneller Hilfe – vorbereitet, ist bereits strukturell im Nachteil. Nicht umsonst heißt es gelegentlich salopp:

„… In unserer Personalabteilung werden sie so schnell über den Tisch gezogen, dass sie die dabei entstehende Reibungshitze als Nestwärme empfinden. …“


Für weitere Informationen steht zur Verfügung:

Rechtsanwalt Krane

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