Fachanwalt

Einem Rechtsanwalt oder einer Rechtsanwältin, der bzw. die besondere Kenntnisse und Erfahrungen in einem Rechtsgebiet erworben hat, kann die Rechtsanwaltskammer unter bestimmten Voraussetzungen die Befugnis verleihen, eine Fachanwaltsbezeichnung zu führen.

I.

Für die Verleihung einer Fachanwaltsbezeichnung hat der Antragsteller besondere theoretische Kenntnisse nachzuweisen.

Der Erwerb besonderer theoretischer Kenntnisse setzt voraus, dass der Antragsteller an einem auf die Fachanwaltsbezeichnung vorbereitenden anwaltsspezifischen Lehrgang teilnimmt. Der Lehrgang muss sämtliche relevanten Bereiche des Fachgebietes umfassen und mindestens 120 Zeitstunden dauern. Es kommt aber nicht nur darauf an, den Lehrgang „abzusitzen“. Vorgeschrieben sind auch Leistungskontrollen. Es müssen nämlich mindestens drei schriftliche Klausuren aus verschiedenen Bereichen des Lehrgangs erfolgreich absolviert werden. Jede Klausur muss mindestens eine Stunde umfassen und darf 5 Stunden nicht überschreiten. Die Klausuren insgesamt dürften 15 Stunden nicht überschreiten.

Lehrgang und die Klausuren müssen nicht nur theoretische Kenntnisse vermitteln, sondern dem Teilnehmer besondere theoretische Kenntnisse auf seinem Fachgebiet mit auf den Weg gegeben. Dies ist nur dann erfüllt, wenn die Kenntnisse erheblich das Maß übersteigen, das üblicherweise durch die berufliche Ausbildung vermittelt wird. Die Kenntnisse des Fachanwalts müssen eben überdurchschnittlich sein. Der Fachanwalt soll sich aus dem Kreis der der Anwaltschaft mit überdurchschnittlichen Kenntnissen herausgeben.

II.

Das gilt aber nicht nur für die besonderen theoretischen Kenntnisse. Überdurchschnittliche Kenntnisse sind wichtig, können aber praktische Erfahrung nicht ersetzen. Ein guter Theoretiker muss nicht notwendig auch ein besonders guter Praktiker sein. Die Fachanwaltsordnung verlangt deshalb zusätzlich den Nachweis besonderer praktischer Erfahrungen, also auch hier nicht durchschnittliche praktische Erfahrungen, sondern überdurchschnittliche.

Jeder Antragsteller muss je nach Fachgebiet eine bestimmte Anzahl von Fällen persönlich und weisungsfrei bearbeitet haben. Die Anzahl der Fälle und wie sie sich auf unbestimmte Unterbereiche aufzugliedern haben, ist im Einzelnen geregelt. Für das am Bau- und Architektenrecht zum Beispiel sind 80 Fälle, davon mindestens 40 gerichtliche Verfahren, davon mindestens 6 selbstständige Beweisverfahren nachzuweisen, wobei mindestens jeweils fünf Fälle auch noch dem Bauvertragsrecht und dem Recht der Architekten und Ingenieure zuzuordnenden sein müssen.

III.

Besondere theoretische Kenntnisse und besondere praktische Erfahrungen nutzen aber dem Mandanten wenig, wenn die Kenntnisse veraltet und die Erfahrungen schon vor Jahren gesammelt wurden und nun verstaubt sind. Deshalb müssen die nachzuweisenden Fälle aus den letzten drei Jahren vor der Antragstellung stammen, sammeln ist also nur sehr eingeschränkt möglich, und für die Jahre nach einem Lehrgang bis zur Verleihung der Fachanwaltsbezeichnung muss eine gehörige Anzahl von Fortbildungsstunden nachgewiesen werden.

Nach der Verleihung der Fachanwaltsbezeichnung ist ebenfalls jährlich eine bestimmte Anzahl von Fortbildungsstunden nachzuweisen. So ist sichergestellt, dass der Fachanwalt immer auf dem neuesten Stand bleibt.

Jeder Anwalt darf maximal 3 Fachanwaltsbezeichnungen führen und muss mindestens seit drei Jahren als Rechtsanwalt zugelassen sein.

IV.

Wir haben uns jeweils der Herausforderung gestellt und haben sowohl überdurchschnittliche theoretische Kenntnisse als auch besondere praktische Erfahrungen in unseren Fachgebieten nachgewiesen. Die Anwälte der Kanzlei verfügen über folgende Fachanwaltsbezeichungen:

  • Fachanwalt für Arbeitsrecht
  • Fachanwalt für Bau- und Architektenrecht
  • Fachanwalt für Familienrecht
  • Fachanwalt für Handels- und Gesellschaftsrecht
  • Fachanwältin für Miet- und Wohnungseigentumsrecht
  • Fachanwalt für Strafrecht
  • Fachanwalt für Versicherungsrecht
  • Fachanwalt für Verkehrsrecht

Zum 31. Dezember 2010 waren nach Angaben der Rechtsanwaltskammer des Landes Brandenburg im Landgerichtsbezirk Neuruppin zugelassen:

  • 24 Fachanwälte für Arbeitsrecht,
  • 1 Fachanwalt für Versicherungsrecht,
  • 5 Fachanwälte für Miet- und Wohnungseigentumsrecht,
  • 7 Fachanwälte für Verkehrsrecht und
  • 3 Fachanwälte für Bau- und Architektenrecht sowie
  • 1 Fachanwalt für Handels- und Gesellschaftsrecht.
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